Ein Krimiabend am Maxim Gorki Theater
Das Versprechen von Friedrich Dürrenmatt
Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.
-Friedrich Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse (Aph. 146)-
Das ewig gute ist langweilig und banal. Interessanter waren schon immer die verwegenen Charakter, also die Männer und Frauen, die im gleichen Maße mit dem Gegner wie mit sich selbst rangen. Das Leben wird hier zu einem Spaziergang über ein Drahtseil. Die Möglichkeiten abzustürzen sind mannigfaltig gegeben. Wir als Zuschauer warten nur auf den Moment, wo der Mensch durch einen banalen Anlaß ins straucheln kommt. Er ist sich der drohenden Gefahr nicht bewußt. Eine Alltäglichkeit setzt eine Ereigniskette in Gang, die nicht mehr aufzuhalten ist. Dieser Fatalismus ist den Charakteren dieser Geschichte eigen. Sie können nicht anders handeln als sie eben handeln. Das ist aber auch das Spannende an dieser Geschichte.
Durch einen Telefonanruf wird der, kurz vor seinem ausscheiden stehende, Polizist Matthäi zu einem Mordfall gerufen. Das Mädchen Gritli Moser ist das Opfer. Deren Eltern verspricht der Polizist den Mörder zu finden. Ein Hausierer, dem ein Geständnis abgepresst wird, erhängt sich in seiner Zelle und der Fall wird zu den Akten gelegt. Der Kommissar glaubt aber nicht an diese einfache Lösung. Auf eigene Faust versucht Matthäi nun den Fall aufzuklären. Der vorher besonnene, vielleicht etwas farblose Mann beginnt sich zu verändern. Er fängt das Rauchen und Trinken an. Die Jagd nach dem Mörder wird immer fanatischer, bis Matthäi ein kleines Mädchen benutzt den Mörder in eine Falle zu locken. Die Geschichte legt großen Wert auf diesen einen Moment, wo sich das Gute zum Bösen verkehrt. Der Weg in die Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.
Am Maxim Gorki Theater in Berlin wird in dieser Spielzeit eine Bühnenversion von ‘Das Versprechen’ aufgeführt. Dieser vorher beschriebene psychologische Moment soll auch hier im Vordergrund stehen. Doch das ganze ist von vornherein sehr inkonsistent und unlogisch angelegt. Der Kommissar macht keinerlei charakterliche Wandlung durch. Der Bruch im Leben des Kommissar Matthäi ist nicht zu erkennen. Noch nicht mal seine Gewohnheiten das Trinken und Rauchen betreffend ändern sich. Alles wird zu einem, zum Teil sehr unverständlichen Brei, zusammengekocht. Die Möglichkeiten der Textvorlage wurden alle nicht genutzt. Ohne diese psychologischen Momente ist ein zäher, langweiliger, banaler zweistündiger Krimi herausgekommen, wo einem am Ende noch nicht mal ein Mörder präsentiert wird. Na toll.