Drei Schwestern

Eigentlich passiert nichts. Die Personen auf der Bühne sitzen, stehen, laufen viel herum. Es wird viel geredet, geschrien und gesungen. Dazwischen werden große Pläne, bei einem gutem Glas Wodka geschmiedet. Aber eigentlich passiert nichts. Das Leben findet immer woanders statt und alle wollen da hin. Das Leben auf dem Land ist öd. Selbst Gott scheint immer woanders zu sein. Die Sinnlosigkeit ihres Tuns steht den Menschen ins Gesicht geschrieben. Fragen Sie sich jetzt wo diese schreiende Langeweile stattfindet, kann die Antwort nur lauten: In einem Stück von Anton Pawlowitsch Tschechow.
In der Schaubühne wird in dieser Spielzeit ein weiteres Stück von Tschechow aufgeführt: Drei Schwestern. Der Mensch versucht sein Leben zu gestalten. Jeder ähnelt bei der Geburt einem unbeschriebenem Notizbuch. In dieses Buch müssen nur, mit dem goldenen Füller des Lebens, die Taten und Erlebnisse eingetragen werden. Die Wünsche und Träume werden in bunten Farben gemalt. Doch mit den ersten Worten scheinen die Menschen wie gefesselt. Die Freiheit des Willens wandelt sich in die Sklaverei der Möglichkeiten. Die Kompromisse des Lebens drücken die handelnden Personen zu Boden, bis sie antriebslos in einer tiefen Melancholie versinken. Es scheint das dieser Bann nicht mehr gelöst werden kann.
Der Zeitrahmen des Stücks wurde in die nähere Gegenwart katapultiert. Mit solchen Veränderungen habe ich von Zeit zu Zeit so meine Schwierigkeiten. Der Regisseur läuft dann immer Gefahr, die innere Logik eines Stücks zu zerstören. Fragen und Unstimmigkeiten werden aufgeworfen, die unnötig sind. Dies ist hier leider passiert. Das Stück passt einfach nicht in die heutige Zeit. Leider geht hier eine Menge Charme verloren.
Dies alles ließe sich aber noch verkraften. Arg gestört hat mich aber die Besetzung des Alexander Ignatjewitsch Werschinin. Clemens Schick sieht in dieser Rolle nicht nur aus wie ein verblödeter Rummelboxer, nein, er interpretiert diesen Charakter auch so. Die Fehlbesetzung dieses so ambivalenten Charakters, hat fast die ganze Inszenierung in den Abgrund gerissen. Dies, dafür gebührt ihm ein Lob, schaffen nicht viele Schauspieler.
Ansonsten zeichnet sich das Stück durch seine melancholische Stimmung aus. Die Schauspieler schaffen es eigentlich immer den richtigen Ton zu treffen. Nur einige Male wirkt das Ganze ein wenig zu hysterisch und aufgedreht. Dann wäre ein etwas sanfterer Ton ganz angenehm gewesen.
Die Vorstellung in der Schaubühne hatte seine Schwächen. Wer aber melancholische Abende, angefüllt mit russischem Wodka mag, kommt hier sicher auf seine Kosten.


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