Liebe ist nur eine Möglichkeit. Dies ist das Ende des gleichnamigen Theaterstücks von Christoph Nußbaumeder, das zur Zeit an der Berliner Schaubühne aufgeführt wird. Nicht wie in den Liebeskomödien, die zur Weihnachtszeit wieder durch die Kinosäle oder das Wohnzimmer flimmern. Dort ist die Liebe mehr, vielmehr ein goldener Pfad, mit dem Ziel Glückseligkeit. Die Menschen die von diesem Pfad abweichen, kommen in diesen Filmen praktisch nicht vor. Allenfalls am Rande, es sei denn wir befinden uns in einem Woody Allen Film. Ebensowenig kommen andere Außenseiter vor.
Personen wie Bernhard existieren in diesem Raum nicht, oder nur kaum. Bernhard kann weder lesen noch schreiben. Wie bewältigt so jemand seinen Alltag? Gibt es für ihn überhaupt einen? Wie lebt man mit der Angst entdeckt zu werden? Diesen Fragen werden an diesem Abend in der Schaubühne thematisiert. Die Angst und Unsicherheit spielt der Schauspieler David Ruland sehr gekonnt. Die penible Genauigkeit mit der Bernhard sein Leben zu meistern versucht ist eine Lösungsstrategie. Bloß nicht auffallen ist die Devise. Keinen Anlass für Fragen bieten. Der andere Weg für Bernhard ist, andere Personen in sein Schicksal einzuweihen. Dadurch werden aber starke Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse aufgebaut. Der Versuch diese Strukturen zu durchbrechen wird in dem Stück thematisiert. Bernhard sucht sich über eine Heiratsagentur eine Philippinische Frau. Mit ihr versucht er ein freies und selbstbestimmtes Leben zu führen.
Der Versuch dieses Machtverhältnis zu verschieben, zerstört die fein austarierte Balance in der dörflichen Gesellschaft. Am Ende ist Bernhard ‘frei’. Die Liebe hat er allerdings nicht gefunden. Die Liebe ist nur eine Möglichkeit. Sie ist aber erlebbar. Das ist schön