Am Ende bleibt nur die Stille. Völlig verausgabt starrt der namenlose Filmproduzent ins Leere. Er hat alles gegeben, alles auf eine Karte gesetzt. Eine Stunde lang hat er versucht eine Schauspielerin von der Güte seines Projekts zu überzeugen. Ein großer, ein gigantischer Film sollte es werden. Darunter macht er es nicht. Dafür hat der Produzent, mal flüsternd mal schreiend, meist atemlos, aber immer eloquent geworben. Nun gut der Plot vereint alle gängigen Klischees und Ängste in einem Film. Die Angst vor Ausländern, Fremden, Muslimen, dem Terror kommt ebenso vor, wie ein unverhohlen sexistischer Blick auf die Frauen. Ich amüsiere mich sehr über die immer absurder werdende Handlung des zukünftigen Films. Die Schauspielerische Leistung von Jörg Hartmann ist wirklich gelungen. Sehr facettenreich spielt er den Produzenten. Die Leistungen von Simone Kabst als ‘nur’ zuhörende Schauspielerin sind allerdings nicht zu unterschätzen. Ihr Mienenspiel hat mich sogar noch tiefer beeindruckt.
Wer wissen möchte, wie großes Kino zusammengeträumt wird, sollte sich in die Schaubühne begeben. Dort läuft das neueste Stück von Mark Ravenhill: Das Produkt.
2. Januar 2007 um 8:29
Das Abgefuckte ist: der verrückte Film des Produzenten läuft während des Gequatsches im Kopf ab. Vorstellen kann ich mir vieles, doch dass mittlerweile viele verrückte Phantasien in einen realitätsnahen Raum versetzt werden und auch noch so wirklich, ist mad.
Wieviel Menschen sitzen heutzutage in der U-Bahn und würden gerne so schnell wie möglich diese wieder verlassen, steigen Menschen die „anders“ aussehen, zu.
Ficken, mit dem Todesmesser vor dem nächsten, angstschwitzenen Opfer spielen, dann wieder vor lauter Leidenschaft sich selbst auflösen, vor Trauer zerspringen, tollwütig alles, jeden umbringen, nichts übrig lassen – alles muss Drin sein. Ist mir wirklich zu viel, mich konstant den ewigen Gefühlsorgsmus aussetzten zu müssen. Mein Kitzler hält ja auch kein non-stop Orgasmus aus. Ravenhill hat verstanden, dass er die Heftigkeit der Message am besten durch Schlichtheit erzeugt: Ein Mensch der quasselt, Bühnenbild sehr einfach, ein Zuhöhrer der schweigt. Sex spielt sich eben auch zuerst im Kopf ab.