Das Echo der Erinnerung

Seit langem habe ich kein Buch mehr gelesen, das mich zugleich so fasziniert wie enttäuscht hat. ‘Das Echo der Erinnerung’ von Richard Powers birgt viel Potential in sich.
Was mich wirklich fasziniert hat an diesem Buch, ist die Art wie es erzählt wurde. Wie ein langer, ruhiger Fluß fließt die Geschichte dahin. Dies hängt sicher stark mit der Arbeitsweise von Powers zusammen. Der Autor hat seit Jahren keine Tastatur mehr in der Hand gehabt. Alle Geschichten sind mündliche Erzählungen, die er über ein Sprachidentifizierungsprogramm in den Computer eingibt. Dadurch entsteht diese so einzigartige Melodie, die einem das Gefühl gibt einem Menschen zuzuhören und seine Stimme zu hören. Dies klingt jetzt stark nach Lagerfeuerromantik. Doch das ist für mich nichts negatives. Richard Powers ist ein Autor der definitiv, die Kunst eine Geschichte zu erzählen noch beherrscht.
Diese Erzähltechnik, die mich so fasziniert hat, ist aber leider auch der größte Makel an diesem Buch. Die breit dahinfließende Geschichte wird in schönen Bildern erzählt, aus denen sich langsam ein Spannungsbogen ergibt. Diese Spannung wird immer weiter aufgebaut. Doch leider kommt Powers nie zum Punkt. Der entscheidende Clou wird leider nie erreicht. Das kunstvoll aufgebaute Gedankengebäude fällt am Ende einfach in sich zusammen. Die Faszination für die Geschichte wurde am Ende zu einem tiefen Gefühl des unbefriedigt Seins und der Leere. Der ganze Roman wird leider, den von ihm selbst geschürten Erwartungen nicht gerecht.
Dies ist aber kein Grund dieses Buch nicht zu lesen. Wie alle Romane von Richard Powers, ist auch dieser ein gut recherchierter Wissenschaftsroman. Diesmal geht es um die Neurowissenschaft. In diesem Buch werden komplizierte Vorgänge so dargestellt, als ob sie einfach wären. Dies macht das Buch wiederum sehr spannend.

Eine Antwort zu „Das Echo der Erinnerung“

  1. lotteu sagt:

    Ich finde das spannendste am Leben ist die Banalität. Die wunderbarsten Krawuums haben eine nicht zu kurze Zündschnurr.
    Als ich dann doch etwas zu müde wurde, das Buch weggelegt hatte, dauerte es einige Schlafphasen und morgends der erste Gedanke war: Was macht nun die Schwester mit dem freaky Bruder? … Weiterlesen
    Das Buch hatte sich langsam in den Alltag meines Lebens geschummelt und ließ mich eine Weile nicht in Ruhe. Schließlich kam langsam der Abschied, weil es eben keine großes Final war, sondern eben dahinplätschendes LEBEN:
    In Laufe des Romans hatte sich die Schwestern vom Wegrennen verabschiedet und sich endlich getraut nach Vorne zu schauen. Es war ein glaubwürdiges Ende, dass Mark schließlich langsam Medikamente aus seiner Post-Unfall Welt zurückholen anstelle eine Wunderwaffe. Ist lebnsnah: kleine Entscheidungen, die langsam wachsen anstelle krasse 180 Grad Events.
    Vielen Dank, Mr. Powers.

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