Der Apfel ist ein Symbol mit vielen Bedeutungen. Daher ist diese Frucht in dem neuen Stück von Marius von Mayenburg die wichtigste Requisite. In dem Stück ‘Der Häßliche‘ an der Schaubühne in Berlin, steht das Spiel mit vielen Identitäten und den unterschiedlichen Symboliken im Vordergrund.
Lette ist häßlich. Seine Häßlichkeit überstrahlt alles andere. Selbst seine intellektuellen Fähigkeiten werden durch sein schlechtes Aussehen verdeckt. Lette ist sein missgestaltetes Gesicht nie aufgefallen, bis es ihm von seinem Vorgesetzten verwehrt wird, seine eigene Erfindung auf einem Kongress vorzustellen. Auch Lettes Frau bestätigt ihm seinen Makel. In tiefe Verzweiflung gestürzt willigt er in eine Schönheitsoperation ein, die ein voller Erfolg wird. Nun ziert den Erfinder ein schönes Gesicht. Die plötzliche Schönheit bringen gesellschaftlichen, beruflichen und sexuellen Erfolg mit sich. Der Schönheitschirurg systematisiert die Operation und produziert nun viele Menschen mit Lettes neuem Gesicht. Lette stürzt dies in eine tiefe Identitätskrise.
Welchen Wert hat die eigene Identität, wenn sich jeder seine Identität selber aussuchen kann? Wodurch zeichnet sich dann noch das eigene Ich aus? Diese Fragen hat Marius von Mayenburg in schnellen Dialogen, voller Witz, aufgelöst. Es macht einfach Spaß den Schauspielern zuzuschauen, wie sie mit den Einfällen des Autors und den Regieanforderungen von Benedict Andrews umgehen. Hierbei kann ich keine einzelne Leistung hervorheben. Die Schauspieler und die Schauspielerin spielen alle auf sehr professionellem Niveau.
Die wichtigste Requisite in diesem Stück ist ein Apfel. Mit seiner vielfältigen symbolischen Bedeutung nimmt der Apfel die Rolle eines fünften Schauspielers ein. Der Apfel ist in den unterschiedlichsten eurasischen Kulturen ein Symbol der Liebe, Sexualität, Fruchtbarkeit und des Lebens, der Erkenntnis und Entscheidung. Des Weiteren ist der Apfel ein Abbild der Macht. Mit diesen symbolischen Bedeutungen spielt der Regisseur Benedict Andrews und die Bühnenverantwortliche Magda Willi gekonnt. Der Apfel wird in die Luft gesprengt, genüsslich verspeist oder kreist als Paar über der Bühne.
Das Stück ‘Der Häßliche’ ist ruhiges Theater. Der übliche Schaubühnen Krawall bleibt zum Glück aus. Die Intensität hat mich stark an das Stück ‘Die Kopien’ erinnert und das ist wahrlich kein schlechtes Bezug.