Anläßlich des Kampfes zwischen Henry Maske und Virgin Hill habe ich heute Vormittag noch einmal in das Buch ‘Als Wir Träumten’ von Clemens Meyer geschaut. Darin wird in einem Kapitel der erste Kampf zwischen Henry Maske und Graciano Rocchigiani beschrieben.
Der 2006 erschienene Roman ist ein ganz großer Wurf. Die Lebensgeschichte von vier Jugendlichen in den Nachwendejahren zwischen Suff und Gewalt wird hier sehr anschaulich und authentisch beschrieben. Viele Schriftsteller haben Zeit ihres Lebens versucht, zu schreiben wie Charles Bukowski. Was meist darauf hinauslief das sie nur so gelebt bzw. gesoffen haben wie er. Mit Clemens Meyer hat endlich ein Schriftsteller den Ton von der Straße getroffen, viel Rauheit gepaart mit einem Schuß Sentimentalität. Der Stil wirkt aber in keinem aufgesetzt, lächerlich, oder unfreiwillig komisch.
Diese Art des Schreibens wirkt auf den ersten Blick sehr schlicht, geradezu einfach. Das ist es aber nicht. Die vielen unterschiedlichen Erzählperspektiven, die sich geschickt gegenseitig ablösen, lassen den Roman hoch komplex erscheinen. Diese Mischung macht die Geschichte interessant und gibt ihr eine gewisses Tempo.
Zum Ingeborg Bachman Preis hat Clemens Meyer eine Kurzgeschichte (Reise zum Fluss) eingereicht, die von ähnlichen Figuren handelt, wie in seinem Roman. Auch hier überwiegt die melancholische Stimmung, die im Kern aber immer auch eine tiefe Hoffnung auf eine bessere Zukunft in sich trägt. Auf der Website des Bachmann Preises kann man sich einen Mitschnitt der Lesung von Clemens Meyer runterladen. Machen Sie es sich in Ihrem Lieblingssitz bequem, öffnen Sie sich eine Flasche Bier und lauschen diesem großartigen Autor.