Die Theaterspielzeit des Jahres 2006/2007 ist nun vorbei. Da wird es für mich Zeit ein paar Produktionen zu würdigen, die ich bisher aus Zeitgründen noch nicht besprechen konnte. Anfangen möchte ich mit Henrik Ibsens Stück ‘Gespenster‘, in einer Inszenierung der Schaubühne.
Der Klang der Trompete durchschneidet die Stille. Diese Töne, in denen soviel Melancholie steckt, die durch den ganzen Saal flirren, sich an den Wänden brechen, abflauen, wie eine Welle wieder aufbranden, um dann leise zu verwehen, lassen mich erahnen, dass diese Geschichte nicht gut ausgehen wird. Dieses Trompetensolo bildet für mich den Kern der Inszenierung von Sebastian Nübling. Die Gefühlswelt von Oswald Alving wird in wenigen Momenten anschaulich anhand der Musik dargestellt. Die innere Kraft, die langsam verblasst, blitzt noch einmal auf, bevor die Musik erstirbt. Ab diesem Moment wird mir klar, das auf der Bühne nur Gespenster, Tote zu sehen sind; Sie agieren, sprechen, lieben, lachen noch, arbeiten an ihrem gesellschaftlichem Fortkommen, sie sind aber alle schon tot, sie wissen es nur noch nicht. Das Ende wurde mit dem Beginn implizit angedeutet. Nun kann sich der Zuschauer den gesellschaftlichen Umständen zuwenden, in die Oswalds Tod eingebettet ist. Ein nüchterner Blick auf die Geschehnisse wird dadurch erst ermöglicht. Durch die fehlende Spannung bekommt das Stück den Charakter eines soziologischen Experiments. Das macht den Abend aber nur noch interessanter.