Der Tod kappt unaufhörlich die Verbindungen in die Vergangenheit anderer. Ein Teil der Erinnerungen und Erfahrungen der vorherigen und der eigenen Generationen werden damit unwiederbringlich verloren sein.
Die Angst sein eigenes ‘Ich’ in der Zeit zu verlieren, die Möglichkeit zu verpassen sein Leben den Nachfolgenden mitzuteilen, gehört zu den elementaren Schrecken des Menschen. Der Künstler versucht das Vergessen zu verhindern, sich selbst in das Gedächtnis der Menschheit zu brennen, um ein kleines Stück Unsterblichkeit zu erlangen. Den ‘ewigen’ Tod zu besiegen, ist seine größte Motivation. Dagegen schreibt, malt, singt, spielt er an. Monumentale Werke sind aus dieser Furcht heraus entstanden im Nichts der Zeitenläufe zu verschwinden.
Gabriel Garcia Marquez quält sich täglich stundenlang vor dem Schreibtisch. Der Gedanke sein Werk, zwei Bände mit Erzählungen und die letzten beiden Bände seiner Autobiographie müssen noch geschrieben werden, nicht beenden zu können erschreckt ihn zutiefst. Johnny Cash nahm, schon schwer durch seine Krankheit gezeichnet, in seinem Tonstudio neue Aufnahmen für seine CD-Reihe ‘American Recordings’ auf. Der Drang sich durch seine Arbeit künstlerisch auszudrücken, auch wenn der Schmerz groß und das Lebensende nahen ist, ist eine elementarer Weg den Tod zu besiegen.
Am Sonntag erlag Ulrich Mühe seinem Krebsleiden. Ihm ist es leider nicht mehr vergönnt gewesen den Menschen aus seinem Leben zu erzählen. Als ich über den Tod dieses großen Schauspielers nachdachte, habe ich ein wenig in den Gedichten von Charles Bukowski geblättert. Dabei sind mir folgende Zeilen in Erinnerung geblieben:
- Es kommt selten so
wie man denkt.
Eigentlich
nie.
26. Juli 2007 um 5:19
Hin und wieder überschwappt auch mich die welle der melancholie. Dann frage ich mich, was aus all dem wissen, den erlebnissen oder emotionswelten meines bewußtseins werden, wenn ich einmal ausgelöscht bin. Als vor einigen wochen die groß-familien-pflicht rief und ich wieder mit menschen an einem tisch saß, zu denen ich bis auf unsere wurzeln kein persönliches verhältnis habe, wurden wieder gedanken zu einem familienstammbaum wach. Auch liegt in der schublade meines laptops immer noch das angefangene kochbuch meiner oma, welches ich gerne illustrieren möchte. Alles projekte und gedanken, die nur eines im sinn haben: die vergangenheit für die nächsten generationen so lebendig wie möglich zu halten. Letztendlich bleibt die frage, ob unsere nachkommen unter all der datenflut schließlich die informationen finden, die sie suchen. Vielleicht ist es aber viel wertvoller ihnen den raum/die informationen zu geben, so dass sie erst einmal auf fragen kommen können!
Auch ich grüße U. Mühe, wo immer er jetzt ist. Schade, ich hätte Sie gerne noch ein paar mal live gesehen!
29. Juli 2007 um 4:10
geht der trend jetzt hin zum zweitblog? habe auch was zum besagten thema gefunden und veröffentlicht.
gruß