Stoning Mary

Das Theaterstück ‘Stoning Mary‘ wird derzeit an der Schaubühne aufgeführt. Drei Geschichten, die sich um Themen wie Aids, Kindersoldaten und der Todesstrafe Steinigung drehen, werden kunstvoll miteinander verwoben.
Das Bühnenbild zu dem Stück ist sehr einfach gehalten. Die Schauspieler sitzen zu Gruppen angeordnet auf schlichten Stühlen. Die Dialoge werden an der Rampe, an dort aufgebauten Mikrophonen, gesprochen. Diese Einfachheit lenkt die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf die Geschichte. Requisiten werden nur vereinzelt eingesetzt, um deren symbolische Kraft zu verstärken.
Zu Beginn des Stücks befinden sich 13 Schauspieler auf der Bühne. Das ist im ersten Moment etwas verwirrend. Vor allem da einige Charaktere doppelt besetzt sind. Einigen Personen ist eine Ego Figur an die Seite gestellt, die das seelische Innenleben und die Gedanken beleuchtet. Dadurch können die Figuren um einiges facettenreicher gezeichnet werden. Einfache Regieeinfälle entwickeln eine große Wirkung. So wird der Tod dadurch angedeutet, das Charaktere leise die Bühne verlassen. Dieser Tod schließt Menschen endgültig aus der Gesellschaft aus. Oft geschieht dies nicht laut, sondern oftmals leise und fast unmerklich.
Ein etwas weniger gelungener Einfall betrifft die überlappende Dialogführung.

A: Warum warst Du zu spät?
B: Warum ich zu spät war?
A: Ja, warum warst Du zu spät?
B: Du willst wirklich wissen warum ich zu spät war?
(…)

Im ersten Moment wird hier durch eine rasante und präzise Vortragsweise der Effekt von Schnelligkeit erzeugt. Punktuell eingesetzt ist diese Technik auch sehr wirkungsvoll und beeindruckend. In diesem Stück wird der Zuschauer mit diesen Dialogen aber arg belastet.
Die folgenden Tage hat mich die Frage beschäftigt, ob die Themen Aids, Kindersoldaten, etc… an Einzelbiographien abgearbeitet werden können, um dann den Blick freizugeben auf die großen Strukturen? Dies ist eine Grundproblematik: In welchen Themen liegt das Potential für einen dramatischen Stoff? Das Stück ‘Stoning Mary’ hat versucht diese Strukturen darzustellen. Der ‘weiterreichende’ Blick auf mich selbst ist aber leider nicht gelungen. Die einzelnen Personen lassen keinen richtigen Schluß zu, auf die möglichen gesellschaftlichen Auswirkungen.

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