Death Proof

Es sieht immer ein wenig Blöd aus, wenn man bei einem brillant ausgedachten und gut erzähltem Witz als einziger lacht, weil die Zuhörer die Pointe nicht verstanden haben. Ein Idee oder eine Geschichte zu beschreiben, die sich vorerst im eigenen Kopf befindet, ist nicht einfach. Alle Details sind vor dem geistigen Auge präsent: die Stimmungen und Gefühle, aber auch die Querverweise die damit verbunden sind. Doch wie können diese Dinge beschrieben werden? Wie kann das Empfundene gezeichnet werden? Wahrscheinlich nicht! Durch Worte/Bilder kann man aber versuchen dem Publikum einen Einblick in seine Gedankenwelt zu geben. Doch Vorsicht ist geboten. Schnell können diese Gedankenspaziergänge zu verworren, die Anspielungen zu diffus werden. Die Komposition ist gelungen, die Bilder sind stilvoll schön, doch der Subtext ist vollkommen verloren gegangen. Diesem Dilemma ist Quentin Tarantino in seinem neuen Film ‘Death Proof‘ aufgesessen.
Querverweise und Filmzitate sind eine schöne Sache. Gerne werde ich an Sequenzen aus anderen Filmen erinnert, die kunstvoll aufgenommen und dann in etwas ganz Anderes, Unvorhergesehenes verändert wurden. Diese Zitate übernehmen die gleiche Funktion wie der Einsatz von Musik; Emotionen sollen erzeugt werden. Durch das Aufflackern einer Erinnerung wird gleichzeitig ein Subtext transportiert, der in die neue Handlung mit einfließt. Blöd nur, wenn keiner die kunstvoll versteckten Rätsel zu entschlüsseln vermag, man selber aber vor so vielen tollen Einfällen ‘überkocht’. Dann verkommt das ganze ein wenig zum geistigen Onanieren in der Öffentlichkeit.
Ein weiteres Problem ist, dass diese Zitate in den meisten Fällen nichts weiter transportieren als sich selbst. Die einmal aufgenommenen Bilder finden keine weitere Verwendung. Halb verdaut werden die Vorlagen in ein neues Gewand gepresst. So z.B. die Kühlerhaubenfigur aus dem Trucker Film ‘Convoy‘. Welchen Sinn macht dieser Querverweis auf ‘Rubber Duck’? Keinen! Es ist halt nur ein nettes, aber sinnloses Accessoire. Auch hier wird Tarantino wieder König Onan gleich; er mag wohl der einzige sein, der sich an seinen lustigen Einfällen erfreut. Aber wenn er sich einen runterholen möchte, sollte er dies lieber zu Hause tun.
Was mich wirklich an dem Film ‘Death Proof’ erschreckt hat, ist die Qualität der Dialoge! Selten habe ich bei Tarantino so lahme und verquatschte Unterhaltungen gesehen. Die Frauen reden über Dies und Das, aber meistens doch immer über das Gleiche. Dadurch werden in dem Film einige Längen erzeugt.
Die US-Laufzeit von ca. 90 Minuten hätte wahrscheinlich vollkommen ausgereicht. So muss ich doch gestehen, dass ich mich an einigen Stellen, der ca. 30 Minuten längeren ‘Internationalen Fassung, ein wenig gelangweilt habe. Die Lap-Dance und die Schwarz-Weiß Szenen hätten nicht so ausführlich sein müssen.
Nach meinen kritischen Ausführungen, komme ich nicht darum herum anzumerken, dass es sich hier um ein Jammern auf hohem Niveau handelt. Auch wenn vieles nicht so gelungen ist, macht der Film einen höllischen Spaß. Es hat sich gelohnt diesen Film im Kino zu sehen! Ladies, we’re gonna have some fun!

PS Quentin, bitte lass das mit der Schauspielerei und trink lieber weiter Chartreuse…

Eine Antwort zu “Death Proof”

  1. wikinger sagt:

    Höre ich aus diesem Beitrag nach dem guten alten Lektüreschlüssel (Filmschlüssel) heraus? So als Handreichung für die gemeinsamen Stunden vor dem DVD-Player. Dann wird unterbrochen, eine halbe Stunde gequatscht und dann geht es weiter - für 10 Minuten.

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