Gedanken zum Welttheatertag

Dies hier ist mein erster richtige Eintrag seit sehr langer Zeit. Und dann handelt es sich auch noch um einen Nachtrag, denn der ‘Internationale Tag des Theaters’ war schon am 27. März. Leider habe ich davon zu spät erfahren, die von mir konsumierte Tagespresse hat nicht mit einer Zeile über dieses Ereignis berichtet. Auch im Netz konnte ich keine Hinweise finden, die mich über Sinn und Zweck dieses Gedenktages hätten aufklären können.
Es bleibt mir also nichts anderes übrig, als für mich selbst zu denken, um herauszufinden was dieser Welttheatertag für eine Bedeutung haben könnte. Dabei wird das Hauptaugenmerk auf ganz persönlichen Erfahrungen mit dem Medium Theater liegen. Ich möchte aber die Leser einladen, meine Erfahrungen mit ihren eigenen zu vergleichen. Vielleicht kommen dann Parallelen zum Vorschein, an die der Einzelne von nicht selbst gedacht hätte.
In den letzten Jahren habe ich so einige Inszenierungen an Berliner Theatern verfolgen können. Zu Anfang hat mir die Fähigkeit des differenzierten Blickes gefehlt. Die Ausdruckskraft der Schauspieler und der dargebotenen Stücke ‘verstellten’ mir die Sicht. Aus diesem Grunde haben mir die ersten Stücke meist ganz gut gefallen. Die Reizüberflutung der Inszenierungen hat sozusagen mein damals nur schwach ausgebildetes Bewertungssystem überfordert. Dies gilt besonders, da meine ersten Stücken ‘4.48 Psychose‘ von Sarah Kane und ‘Feuergesicht’ von Marius von Mayenburg waren. Je mehr Aufführungen ich besuchte, desto besser konnte ich das Gesehene einschätzen. Mein Blick wurde immer differenzierter, mein Wissen über die Autoren und die Stücke immer tiefer und weitreichender. Es ergaben sich für mich immer mehr Möglichkeiten, die einzelnen Inszenierungen in einen breiteren Kontext zu setzen.
In dieser Zeit kam in mir das Bedürfnis auf, mit diesem Medium Theater zu arbeiten oder Texte für das Theater zu schreiben. Die Möglichkeiten die sich einem Schreibenden hier bieten sind sehr groß. Man kann sehr abstrakt, aber auch real, sogar surreal sein. So gut wie alle Wege stehen einem offen. Diese könne dann im Kopf des Autors nach Herzenslust abgeschritten werden. Nichts kann einen aufhalten. Der einzige, der einem hier im Weg stehen kann, ist man selber. Deswegen ist der ‘Internationale Tag des Theaters für mich ein Gedenktag, der den Mut feiern soll, sich seiner eigenen Phantasie zu bedienen. Die von den Autoren geschriebenen und von den Theaterleuten auf die Bühne gebrachten Stücke, pflanzen kleine Gedankensamen in die Köpfe der Zuschauer. Dort können sie aufgehen und zu vielen unterschiedlichen Pflanzen heranwachsen. Niemand kann diese Pflanzen zerstören, sie gehören für immer uns. Sie werden für uns zu einem ständigen Begleiter. Die unterschiedlichsten Gewächse kann man in seiner Gedankenwelt finden, große, kleine, zarte, brutale, graue aber auch bunte.
Gerne halte ich mich in meinem Wald der Phantasie auf. Dort kann ich mich vor der Welt verstecken. Finde aber auch das nötige Rüstzeug, um die reale Welt zu verstehen und vor allem die Kraft sie zu verändern.

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