Der Kampf der Griechen und der Amazonen ist nicht nur ein Kampf der Geschlechter, sondern vielmehr ein Konflikt der unterschiedlichen Gesellschaftssysteme. Matriarchat vs. Patriarchat. Die Frauen haben sich der Männer entledigt; sie jagen allein, sie leben allein, sie lieben allein. Nur für die sexuelle Reproduktion sind die Männer noch vonnöten Doch kein Sirenengesang soll die Männer in ihr Verderben locken. Die pure Gewalt soll den Nachwuchs sichern. Nur die Frau, die einen Mann im Kampf besiegt, darf sich von ihm schwängern lassen. In einer Welt in der jegliche Sexualität mit einer solchen Brutalität aufgeladen ist, hat ein zärtliches Liebeswerben keinen Platz. Diese ekstatische Verrohung führt zu einem Kontrollverlust. Küsse und Bisse lassen sich nicht mehr unterscheiden, bzw. das eine führt direkt zum anderen. Sich den Leib des gegenüber anzueignen ist nicht mehr nur metaphorisch gemeint, sondern wird zu einer kannibalischsten Realität.
Die Geschichte von Penthesilea und Achilles wird aus einer sehr männlichen Sicht geschildert. Das griechische Patriarchat ist die Normalität; das Matriarchat der Amazonen bildet die Ausnahme. Wie in den meisten Dramen, die antike Stoffe bearbeiten (Antigone, Medea etc…), kommt es zur Katastrophe, wenn die Frauen die ihnen zugeordnete Rolle verlassen und versuchen eine eigene Realität zu konstituieren. In diesem Moment ist das Ende der Geschichte schon fest vorgezeichnet. Eine ungeheuere Brutalität bricht los. Charaktere agieren nicht mehr, sondern werden von einer blinden Wut erfasst, die alle ins Verderben reißt. Mord und Kannibalismus sind die Folge. Die normale männliche Brutalität wird dagegen nicht hinterfragt bzw. wird als ein stabiles System dargestellt. Die Frauen bringen mal wieder das Unheil und den Untergang in die Welt. Zum x-ten Mal wiederholt wird diese Sichtweise auf die Geschlechterbeziehungen auch nicht klüger.