Schwüler Abend in Berlin. Ein Sommergewitter liegt in der Luft. Am Himmel sind schon dunkle Wolken aufgezogen. Am S-Bahnhof Gesundbrunnen steige ich in einen Zug, der vollkommen überheizt ist. Ich setze mich und packe meinen iPod aus. Mit Musik lässt sich eine Menge aushalten. Einfach Punk auf die Ohren dröhnen, gut ist. Doch leider habe ich von meiner Musik nicht viel. An der nächsten Station betritt ein Mann das Abteil, grauer Anzug, Cowboyhut auf dem Kopf. Natürlich setzt er sich mir gegenüber. Na ja egal, was soll schon passieren? Da holt mein Gegenüber unter seinem Jackett eine Panflöte hervor und beginnt melancholisch darauf herumzupfeifen. Das geht ungefähr zwei Stationen so. Dann tippt mir der Mann aufs Knie. Es kommt zu folgendem Dialog:
Mann: Habla Espagnole?
Ich: Leider Nein.
Mann: ???
Ich: No.
Mann wird deutlich aggressiver.
Mann: Aber sie spreschen deutsch?!
Ich: Ja klar.
Mann: Ist es üblisch, das man inne Deutschland nicht mehr spielt Instrument in Bahn, sondern macht nur noch Batteriewechsel?!
Dabei zeigt der Mann abwechselnd auf seine Panflöte und meinen iPod.
Ich: Ich kann leider kein Instrument spielen.
Mann: Das ist typisch.
Der Mann beschimpft mich unverständlich auf Spanisch. Darauf mischt sich eine Frau aus Südamerika in das Gespräch ein.
Frau: Was soll das? Es kann ja nicht jeder sein Instrument mit sich rumschleppen. Ich z.B. spiele Klavier, wie soll ich das hier reinkriegen?!
Bei den letzten Worten macht die Frau weite Gesten mit den Händen. Mann schüttelt unverständlich den Kopf.
Mann: Señora, ich baue ihnen hier eine ganze Orgel in den Zug. Das ist aber viel zu Schade für die Orgel.
Frau: Wohl eher zu Schade für den Zug.
Mann fängt wieder an auf seiner Panflöte zu spielen. Ich höre Musik. Plötzlich wird der Mann ganz hektisch.
Mann: Ey Caramba, wo sind wir hier???
Ich: Wittenau
Mann: Ey Caramba, hier muss ich raus.
Hier stürzt der Mann die S-Bahn hinaus. Die Südamerikanerin und ich schauen uns an und beginnen zu lachen.
Durch einen Zufall steigt die Frau an der gleichen Station aus. Es gewittert, ein kräftiger Regen geht nieder. Die Frau öffnet das Schloß an ihrem Rad und fährt dann an mir vorbei. Dabei wünscht sie mir noch einen schönen Abend. Ich rufe nur: Ey Caramba, jetzt aber schnell nach Hause…
Wir beiden lachen. Ist also mal wieder was für die Völkerverständigung getan worden. Vor allem ich etwas mehr Spanisch.