Der alltägliche Wahnsinn

Dies ist die Geschichte eines Mannes, der sich aufgemacht hat, das Grauen bei der Deutschen Bahn zu erkunden. Hier ist sein Bericht.

7:45h: Es ist mir schon früh klar das diese Reise kein Zucker schlecken wird. Noch nicht mal richtig unterwegs hat mich das Grauen schon eingeholt. Dabei habe ich meinen ICE nach Mannheim, geschweige denn den Hauptbahnhof überhaupt noch nicht erreicht. Ich sitze lediglich in einem S-Bahn Abteil. Mir gegenüber hat eine Mutter mit ihren zwei Kindern Platz genommen. Ein Junge und ein Mädchen. Nach deren Aussehen beurteilt, können diese zwei Engel kein Wässerchen trüben. Doch ohne Vorwarnzeit verwandelt sich der nette Junge in ein schreiendes, tretendes, kratzendes Monster. 20 Minuten Fahrt können hier sehr lang werden. Irgendwann hilft Metall in voller Lautstärke nicht mehr. Gesundbrunnen steigt die Bagage dann endlich aus. Diesem Vorfall messe ich noch nicht allzuviel Bedeutung bei. Es hätte für mich aber das erste Anzeichen, die erste kleine Wolke an einem ansonsten strahlendblauen Himmel sein sollen.

8:30-13:00h: Viel gelesen, Musik gehört, einem Hörbuch gelauscht. I like these calm little moments before the storm. Dieser braut sich auch schon zusammen.

13:15h: Wer hätte gedacht das Zugbegleiter nicht auch einen Sinn für Humor besitzen. Folgende Ansage schallt kurz vor Mannheim aus den Lautsprechern: Sehr geehrte Damen und Herren, haha, leider mussten über Nacht, quasi halt haha, alle ICE Züge der 3. Generation in die Werkstatt. Haha. Aus diesem Grund verkehrt der ICE 517 nach München heute nicht. Haha. Es besteht aber die Möglichkeit mit einem Regionalzug über Heidelberg nach Stuttgart zu fahren. Von dort verkehrt dann wieder ein ICE nach München. Haha. Gute weiterfahrt. Gab es heute schon Haschkekse zum Frühstück?! Wann und von welchem Gleis der beschriebene Regionalzug fährt hat der Lustige Mann von der Bahn aber nicht gesagt.

13:28h: Ich hocke auf dem Bahnhof von Mannheim, ein Ort an dem ich nicht mal Tod überm Zaun hängen möchte. Selten habe ich einen so häßlichen Bahnhof gesehen. Hier herrscht eine schräge Wild-West Romantik. Die kilometerlangen Güterzüge Güterzüge rauschen direkt vor Deiner Nase vorbei, so das man sein eigenes Wort nicht mehr versteht. Auf Nachfrage erfahre ich aber das ein Ausweich ICE um 13:53h nach Stuttgart fahren soll. Dieser hat aber leider auch schon 13 Minuten Verspätung. Is’ klar!

14:15h: Der Zug ist so voll das ich kaum einen Platz zum stehen finde. Neben mir ein Alki, der sich lieber an mir als irgendwo sonst im Zug festhalten will. Nachdem ich ihn ein paarmal freundlich weggeschoben habe, ertrage ich ihn den Rest der Fahrt stoisch.

ca. 15:00h: Bin endlich in Stuttgart. Mein Regionalexpress hat eine Viertelstunde Verspätung. Zumindest kommt er irgendwann.

ca. 16:00: Seit zehn Minuten stehen wir irgendwo vor Nürtingen. Keiner weiß warum, keiner weiß wieso. Es gibt auch keine Ansage. Habe den Verdacht das sich der Lokführer bei der erstbesten sich bietenden Gelegenheit aus dem Staub gemacht hat. Ich bin so deprimiert, das es mich noch nicht mal interessiert warum es nicht weitergeht. Irgendwann fahren wir wieder.

16:15h: In Reutlingen gibt es die Ansage, das unser Zug auf Grund der aufgelaufenen Verspätungen nicht mehr weiter fährt, sondern gleich nach Stuttgart umkehrt. Ein weiterer verwaister Bahnhof auf dem ich herumsitze. Ich mache mir nicht mal die Mühe mich nach dem nächsten Zug zu erkundigen. Stumpf warte ich einfach ab was passiert.

ca. 16:45h: Bin in Tübingen. Bekomme einen Bus, der mich an mein Endziel bringen soll.

17:13h: Ich steige aus dem Bus aus. Die Welt geht gerade unter. Der Himmel ist schwarz, nur ab und an durch einen Blitz erhellt. Ein tiefer Donner rollt durch die hügelige Landschaft. Der Wind treibt dichte Regenschwaden vor sich her und mich in die hinterste Ecke des Wartehäuschens. Hier harre ich 45 Minuten aus. Dann reißt der Himmel auf; die Sonne bricht hervor. Ich nehme meine Tasche und gehe die letzten Meter zu Fuß.

18:03h: Ich bin an meinem Ziel angelangt, lasse mich aufs Bett fallen. Obwohl ich den ganzen Tag geschlafen habe, bin ich extrem müde. Mein Kopf und Nacken schmerzen vom vielen rumhängen. Eine ganz normaler Tag halt, wenn man sich in die Hände der Deutschen Bahn begibt.

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