Die Trauer ist so stark, so intensiv, so mächtig, meine Kräfte reichen nicht aus, um mich auf den Beinen zu halten. Schwankend, taumelnd stehe ich da. Vor mir liegen die sterblichen Überreste meines Sohnes, der auf einen Scheiterhaufen gebettet wurde. In meiner Hand halte ich die Fackel, mit der ich das Reisig entzünden werde. Durch das Feuer werde ich meinen Jungen auf die Reise ins Jenseits schicken. Die trockenen Blätter und Äste brennen gut. Die Flammen schlagen hoch in den Abendhimmel, dunkle Schatten tanzen um mich herum. Plötzlich steigt ein schwarzer Vogel aus der Glut hervor, der sofort im Dunkel der Nacht verschwindet. Noch einer entspringt dem Feuer, noch einer und noch einer. Es werden immer mehr, immer mehr, immer mehr. In zwei Gruppen sammeln sie sich am Himmel. Auf ein unbekanntes Zeichen stürzen die beiden Haufen aufeinander zu, verkeilen sich ineinander, beginnen einen Kampf bis aufs Blut. Ein Krieg der Vögel wird vor meinen Augen aufgeführt. Mal scheint die eine Gruppe den Sieg davon zu tragen, dann ist wieder die andere Gruppe vorn. Aus Sekunden werden Minuten, aus Minuten Stunden in denen die Vögel ihren Kampf austragen. Ich setze mich in den Sand, um dem Schauspiel besser folgen zu können. Die ewig gleichen, monotonen Bewegungen lassen mich müde werden. Immer öfter schließe ich meine Augen bis ich sie nicht mehr offen halten kann. Eine traumlose Dunkelheit umhüllt mich. Zum Morgengrauen erwache ich. Die Vögel sind fort, mein Sohn auch. Auf ihren Schwingen haben sie ihn mitgenommen. Meine Trauer ist mir geblieben, doch meine Stärke habe ich zurückgewonnen. Langsam stehe ich auf und gehe in einen neuen Tag.