Jahresendblues

Je näher wir dem Jahresende kommen, desto mehr Gründe gibt es, sich voll und ganz dem Jahresendblues hinzugeben. Die Tage werden immer kürzer – daraus folgend, gibt es immer weniger Sonnenstunden. Schon dies allein löst bei dem einen oder anderen Depressionen aus. Verschlimmernd kommt hier die Vorweihnachtszeit hinzu. Überall blitzen die Lichter des Konsumterrors. Auf den Märkten des Grauens sollen meterlange Bratwürste, Grünkohl und so manches Zuckerzeug verspeist werden. Zum Herunterspülen wird dieses Jahr als Trendgetränk Blaubeerglühwein gereicht. Zu guter Letzt schlägt das Wetter einige gekonnte Kapriolen. So mancher kann das wohl nicht verkraften. Anders kann ich mir die folgende, gestrige Begebenheit nicht erklären.
Ich laufe durch einen nördlichen Vorort von Berlin. Rechts und links säumen schmucke Einfamilienhäuser die Straße. Die Gärten sind alle schon festlich dekoriert. In dichten Flocken tanzt sanft der Schnee zu Boden. Nur die knirschenden Geräusche meiner Schuhe im Schnee sind zu hören. Nein, vereinzelt höre ich auch Menschen Schnee schippen und fegen. 50 Meter vor mir, in einer Grundstückseinfahrt, steht ein Mann mit einer Schneeschaufel bewaffnet. Nichts ungewöhnliches zu dieser Jahreszeit, wird der geneigte Leser jetzt denken. Das stimmt, wäre der Herr nicht mit einem schwarzen Dreiteiler, mit goldgelber Krawatte und schwarzen Lacklederschuhen bekleidet. Fröhlich schaufelt er die weiße Pracht, entschuldigen sie die Phrase, als ob’s kein Morgen gäbe.
Sogleich beginne ich Vermutungen anzustellen, warum der Herr bei seiner Arbeit so sonderbar gekleidet ist. Vielleicht hat der Butler just in diesem Moment seinen freien Abend und da muss es solch ein Wetter geben… Da lässt sich der Hausherr nicht lumpen mal selbst, zumindest im übertragenen Sinne den Feudel zu schwingen. Es war ein schönes Bild, nur die güldene Schaufel hat gefehlt.
Vielleicht war der sonderbare Mann von Gestern aber auch nur ein kleiner Vorort-Einfamilienhausbesitzer, der sich im festen Griff des Jahresendblues befand. Um eine gute Bekannte zu zitieren: „Man weiß es nicht!?“

Eine Antwort zu „Jahresendblues“

  1. wikinger sagt:

    Tja so kann es gehen, da muss man selbst zur schaufel greifen, weil der Sohn gerade das Dienstmädchen ballert. Habe jetzt auch einen Mantel.

    Ahoi

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