Amphitryon – Die Gefahr in der ersten Reihe

Das Theater ist ein Medium, das einen direkten Kontakt zu seinem Publikum erlaubt. Durch diese Interaktion entsteht oftmals die Spannung, die das Theater so interessant macht. Daraus ergeben sich aber auch so manche Gefahren. Dies sollten sich vor allem Menschen bewußt machen, die über die monetären Kapazitäten verfügen, um einen Platz in der ersten Reihe zu erwerben.
Die Inszenierung Amphitryon am Maxim Gorki Theater ist hier ein passendes Beispiel. In dem Stück gibt es eine Szene, in der Charis ihren Ehemann Sosia eifersüchtig machen möchte. Um dies zu erreichen schreitet sie vor den Zuschauern in der ersten Reihe hin und her, zeigt dann auf einen jungen Mann und sagt: „Dich küsse ich jetzt!“ Gesagt, getan. Ohne lange Erklärung setzt sich die Schauspielerin auf seinen Schoß, um diesen dann heftig abzuknutschen. Die erwünschte Reaktion bei Sosias bleibt nicht aus. Er wird sehr schnell, sehr eifersüchtig. Mit wütenden Blicken schaut er dem Treiben seiner Frau zu. Dabei richtet sich sein Hauptaugenmerk auf seinen plötzlich aufgetretenen Nebenbuhler. Dieser wird auch dann noch böse angestarrt, als Charis längst wieder fort ist. Immer näher rückt Sosias dem etwas verwirrten Mann auf den Leib. Schließlich flüstert er ihm leise zu:“ Um neun bin ich hier fertig. Wir treffen uns um halb zehn am Bühneneingang!“ Das restliche Publikum fand dies sehr lustig.
Ich weiß nicht, ob der Zuschauer dem Wunsch nach einer körperlichen Auseinandersetzung nachgekommen ist, das ist aber der Grund warum ich ungern in der ersten Reihe sitze…


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