Die Wissenden

Zum ersten mal in dieser Spielzeit war ich in dem umgebauten Studio der Schaubühne. Ein kleiner Lounge Bereich wurde geschaffen. Hier kann man nun sitzen, quatschen, tanzen, dem gesprochen Wort lauschen, oder sich die Studio-Produktionen anschauen. Für das letztere bin ich gekommen. Nina Enders Stück ‘Die Wissenden’ wird hier aufgeführt.
Das Stück kreist um große existentielle Themen und Fragen. Ab wann ist ein Leben lebenswert und ab wann nicht? Das Stück erzählt eine Geschichte, die auf mehreren Ebenen abläuft. Aus den kleinen Episoden soll sich dann mit der Zeit das Gesamtbild ergeben. Doch hier beginnt das Problem. Jede einzelne Situation empfinde ich als stimmig, doch ein großes Ganzes ergibt sich für mich daraus nicht. Es werden keine Geschichten miteinander verwoben. Vielmehr wird in meinem Kopf, ein Bild über das andere gelegt. Diese Überlagerungen fangen recht schnell an sich gegenseitig zu stören. Es entsteht ein großes, lautes Rauschen. Durch den raschen Wechsel der Bilder wird dieser Effekt noch verstärkt. Irgendwann habe ich es einfach aufgegeben nach einem tieferen Sinn in der Geschichte zu suchen. Nur noch die Kraft des Augenblicks habe ich auf mich wirken lassen.
Der Perspektivwechsel hat dazu geführt, das ich begonnen habe das Stück auf eine andere Weise wahrzunehmen. Die Schwäche in der Konsistenz der Geschichte werden durch die schauspielerischen Leistungen mehr als ausgeglichen. Allen voran David Ruland überzeugt in der Rolle des Ralph. All die kleinen Gesten, mit denen er die Figur, mit all seinen Behinderungen, aber auch seinen unglaublichen Fähigkeiten, darstellt, sind beeindruckend. Dies ist präzise gespielt und wirkt dadurch sehr kraftvoll. Die intime Atmosphäre der Studiobühne verstärkt diesen Eindruck noch. Aber auch die anderen Schauspieler und Schauspielerinnen verkörpern gekonnt ihre Rollen.
Je mehr ich mich auf die Figuren einlasse, desto mehr finde ich auch den Weg zur Geschichte zurück. Als ich das Theater verlassen habe und mich auf meinem Weg nach Hause gemacht habe, begleiten mich die Figuren noch ein Stück. Auch die Geschichte lasse ich mir noch mal durch den Kopf gehen. Dinge, die auf den ersten Blick falsch auf mich gewirkt hatten, machten plötzlich Sinn. Dann wieder doch nicht. Das Stück arbeitet einem im Hirn nach, aber auf eine angenehme Weise. Dies kombiniert mit den guten Darstellern ergibt einen guten Abend.

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