Die Möwe – Bühne (Update)

Gestern abend war ich im Deutschen Theater, um mir Tschechows Stück ‘Die Möwe’ in der Inszenierung von Jürgen Gosch anzuschauen. Ich habe schon einen kurzen Eintrag zu der Bühnenproblematik verfasst. Meine Gedanken sind sortiert, jetzt probiere ich das Ganze noch mal. Diesmal auch ohne Whisky…
Mein Problem mit der Bühnenkonstruktion ist von ganz grundlegender Natur. Grundsätzlich ist ein Theater ein Raum, der ganz und gar auf seine Funktion zugeschnitten ist: Vorne auf der Bühne wird gespielt, im Publikum sitzen Menschen die hören und schauen zu. Um diese in erster Linie einseitige Kommunikation optimal zu gewährleisten, wird ein Theater auf eine bestimmte Weise entworfen. Innerhalb gewisser Grenzen, kann man den Theaterraum in seiner Gänze nutzen. Es ist aber nicht möglich, in einem Theater die Sichtachsen ohne Folgen zu verschieben. Im Klartext heißt das, wenn ich die Bühne zehn Meter in den Zuschauerraum hineinragen lasse, muss ich damit rechnen, das die Zuschauer auf den Rängen teilweise nur eingeschränkt sehen können. Dies gilt es beim Bühnenbau zu bedenken! Im Zweifelsfall sollten die künstlerischen Ambitionen auch mal nach Hinten geschoben werden. Eine gründliche Abwägung der verschieden Interessen ist aber auf alle Fälle vonnöten.
Ein Theater sollte nicht nur auf den einmaligen Besuch der Menschen aus sein. Vielmehr sollte das Publikum dauerhaft an ein Haus gebunden werden. Damit könnte einher gehen, das sich das Theater wieder als eine gesellschaftliche Institution etablieren kann. Das heißt aber auch, wenn ich 21€ für eine Karte bezahle, möchte ich mehr sehen können als nur 1/3 der Bühne. Wenn ich glauben würde, dass der gestrige Abend in Sachen Sichtqualität die Normalität ist, würde ich nicht wiederkommen.
Bei einer solchen Mißachtung des Publikums verkommt das Theater zu einem luftleeren Raum. Vorne auf der Bühne spielen irgendwo die Schauspieler irgendwas, aber keiner kann es sehen. Klar, vielleicht hänge ich das Problem auch einfach zu hoch!?! Doch eigentlich läuft hier alles auf die ‘Elitenfrage’ hinaus: Für wen wird eine solche Veranstaltung eigentlich geplant? Für die breiten Massen offenbar nicht mehr. Dieser, mit der Inszenierung am Deutschen Theater, eingeschlagene Weg führt dazu, dass in Zukunft nur noch das Bildungsbürgertum, dem russischen Landadel in seiner Langeweile zuschaut. Wohl bekommt’s!

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